Depressionen & Angststörung: Wir sind stärker als wir denken und vor allem dann, wenn wir nicht denken, alleine stark sein zu müssen.

Angehörige: Heike Ingenhoven
Jahrgang: 1981
Angehörige von: Martin Ingenhoven (Depressionen, Angststörung)
Hilfsangebote: therapeutische Unterstützung u.a. im Rahmen einer Mutter-Kind-Kur, Selbsthilfegruppe für Angehörige
Ressourcen: mit Freunden sprechen, Spielen mit der Tochter, Lesen, Tee trinken, meine Familie

 

Wie hast du von der Störung deines Partners erfahren, und was war deine erste Reaktion?

Ich habe bereits lange vor Martins erstem Klinikaufenthalt gemerkt, dass da was nicht stimmt. Zahlreiche kleine und große Zwischenfälle im Alltag, nicht eintretende Erholung – selbst nach ausgedehnten Urlauben – all dies waren Vorboten, auch wenn ich da noch nicht wusste, welchen Namen das Problem bekommt. Für mich war aber zu jederzeit klar, dass wir das als Team gemeinsam schaffen. Mein Eheversprechen „in guten wie in schlechten Tagen“ für ihn dazu sein, habe ich schließlich so gemeint, wie ich es gesagt habe. Nach dem großen Zusammenbruch 2011 mit langem Klinikaufenthalt erhielten wir dann die Diagnose und ich war fast schon erleichtert, dass wir nun wussten, was los ist. Auch wenn wir damals nur die Spitze des Eisberges gesehen hatten.

 

Wieso möchtest du anderen Angehörigen Mut machen?

Ich habe den Jahren nach der Diagnose – mittlerweile sieben – gelernt, dass es wichtig ist, die Hoffnung nicht aufzugeben, und dabei haben mir immer wieder Gespräche mit anderen Angehörigen, Ärzten und Therapeuten geholfen.

 

Was hat dir am meisten geholfen, mit der Diagnose deines Angehörigen umzugehen? Welche Hilfsangebote für Angehörige nutzt du?

Ich habe in den ersten, wirklich schlimmen Jahren eine Selbsthilfegruppe für Angehörige besucht und dadurch verstanden, dass ganz viel, was ich zu Hause erlebe, nicht mein Mann, sondern die Depression ist.

Es war erlösend zu hören, wie andere berichteten, was bei ihnen passiert und dabei festzustellen, dass das bei uns ganz genauso ist. Außerdem habe ich in den Gesprächen mit einer Psychologin während einer Mutter-Kind-Kur gelernt, dass ich keine Schuld an seiner Erkrankung trage, das hat mir sehr geholfen

 

Woraus schöpfst du neue Kraft für dich persönlich, in Momenten, in denen du dich schwach fühlst?

Ich schöpfe Kraft in solchen Momenten, in dem ich versuche mein Tempo zu drosseln. Innezuhalten und mich auf die vielen Fortschritte zu konzentrieren, die wir gemeinsam schon geschafft haben. Pause machen, Tee trinken und die Liebe unserer Tochter bewusst spüren.

 

Wie kannst du deinem Angehörigen in schwierigen Situationen und Krisen helfen?

Dem Betroffenen in schwierigen Situationen und Krisen zu helfen geht nur bedingt. Die beste Hilfe ist, dem Partner zu versichern, dass man da ist, so lange es eben dauert. Zu vermitteln: Ich bin da, wenn du mich brauchst. Wir schaffen das. Manchmal heißt das, aktiv unterstützen (Telefonate übernehmen, den Tag neu organisieren etc.) manchmal bedeutet es, Übungen mit dem Partner zu machen (PME Progressive Muskelentspannung nach Jacobson o.ä.), manchmal einfach nur Dasein.

 

Was schätzt du am meisten an deinem Angehörigen?

Ich wünsche mir, dass er es schafft, nie aufzugeben.

Es geht vorwärts. Langsam aber beständig und ich wünsche ihm, dass er es schafft, darauf stolz zu sein.

 

Was wünschst du dir von deinem Partner?

Ich schätze an Martin, dass er immer wieder Kraft findet, weiter zu kämpfen. Regelmäßige Rückschläge einzustecken und nicht aufzugeben.