Zwangsstörung: Es lohnt sich, den Zwängen die Stirn zu bieten!

Name: Virginia B.

Jahrgang: 1988

Betreut Klient*nnen: Ich arbeite auf einer offenen Station in einer Klinik und betreue hauptsächlich Klient*innen mit Depressionen, Angststörungen und Zwangsstörungen.

Hilfsangebote: Einzelgespräche, Gruppenangebote

 

Welche persönliche Krisenerfahrung hast du als (ehemalige) Betroffene gemacht? Auf welchem Gebiet bist du eine Erfahrungsexpertin geworden?

Ich leide seit meinem dreizehnten Lebensjahr unter einer Zwangsstörung, mit zwanzig kam eine rezidivierende Depression dazu.

 

Welche persönlichen Erfahrungen hast du mit der Psychiatrie bzw. psychiatrischen/psychologischen Diensten gemacht? Was ist deine Motivation gewesen, eine ExIn-Ausbildung zu absolvieren und nun Menschen zu helfen?

Ich habe insgesamt positive Erfahrungen mit dem psychiatrischen System gemacht, z.B. mit ambulanter Psychotherapie.

Die Ex-In-Ausbildung habe ich absolviert, weil ich gerne andere Menschen auf ihrem Weg unterstützen und meine Krankheitserfahrungen für etwas Sinnhaftes nützen möchte. Das Thema Zwangsstörungen liegt mir dabei besonders am Herzen!

Trotz hohem Leidensdruck behalten nicht wenig Betroffene von Zwangsstörungen ihre Symptome erstmal für sich, weil sie sich dafür schämen oder Angst haben, als „verrückt“ angesehen zu werden. Als Genesungsbegleiterin möchte ich Betroffenen zeigen, dass es keinen Grund zur Scham gibt und ein lebenswertes Leben (wieder) möglich ist, wenn man sich seinen Zwängen stellt.

 

Welche Vorurteile bzw. falschen Vorstellungen gibt es in der Gesellschaft zum jeweiligen Erkrankungsbild, das auch dich betroffen hat?

Viele Menschen denken bei Zwangsstörungen automatisch an Wasch- oder Kontrollzwänge. Daneben gibt es aber auch noch viele andere mögliche Symptome, z.B. aggressive, religiöse oder sexuelle Zwangsgedanken. Diese Symptome sind in der Öffentlichkeit aber kaum bekannt. Das kann dazu führen, dass  Menschen, die davon betroffen sind, selbst erst einmal gar nicht wissen, dass das, was sie so quält, eine behandelbare Erkrankung ist.

So ging es damals auch mir. Ich bin mit 13 erkrankt, wurde aber erst mit 20 diagnostiziert.

 

Wie hilfst du betroffenen Menschen in Einrichtungen ganz persönlich und welche hilfreichen Therapiemöglichkeiten gibt es deiner Meinung nach?

Ich biete betroffenen Menschen bei uns auf Station Einzelgespräche an, in denen wir uns z.B. über den Umgang mit speziellen Symptomen austauschen und die Klient*innen mich fragen dürfen, was sie möchten.

Daneben biete ich eigene Gruppen an, beispiesweise eine Gruppe für kreatives Schreiben. Außerdem unterstütze ich Klient*innen bei verschiedenen kleineren Anliegen und bin auch immer für gemeinsame Spaziergänge offen.

Als Goldstandard bei Zwangsstörungen gilt die kognitive Verhaltenstherapie mit den den sogenannten Expositionsübungen. Das sind Konfrontationsübungen, bei denen man sich seinen Angstauslösern stellt und lernt, anders auf diese zu reagieren als mit Zwangshandlungen. Ich habe selbst sehr positive Erfahrungen mit dieser Behandlungsform gemacht und kann es anderen Betroffnen nur ans Herz legen!