Pressemitteilung: Start der Jubiläumskampagne #MutinderKrise

Fünf Jahre Krisendienste Bayern: Bayernweite Krisenhilfe etabliert sich als zentrale Anlaufstelle

Bezirketagspräsident Franz Löffler: „Der Bedarf an schnell zugänglicher und niedrigschwelliger Hilfe ist hoch“ – Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach: „Krisendienste Bayern sind Meilenstein mit bundesweiter Strahlkraft“

München, 18. März 2026 – Bereits seit fünf Jahren setzen sich die Krisendienste Bayern für die Unterstützung von Menschen in akuten psychischen Krisen und deren Angehörigen ein. Seit der bayernweiten Einführung im März 2021 hat sich das Angebot zu einer zentralen Anlaufstelle entwickelt. Die kostenfreie und rund um die Uhr erreichbare Telefonnummer 0800 655 3000 ist heute aus der psychosozialen Versorgungslandschaft im Freistaat nicht mehr wegzudenken.

Deutlich gestiegene Nachfrage und kontinuierlicher Ausbau des Angebots

In den vergangenen fünf Jahren sind die Anrufzahlen kontinuierlich gestiegen. Während im ersten Jahr nach der bayernweiten Einführung 53.899 Anrufe eingingen, verzeichneten die Krisendienste im Jahr 2025 109.147 Kontakte. Auch bei den persönlichen Kriseninterventionen lässt sich ein Zuwachs beobachten. 2021 fanden 2.340 mobile Einsätze statt. 2025 gab es 4.292 Kriseninterventionen am Ort der Krise.

Für Franz Löffler, Präsident des Bayerischen Bezirketags, ist das ein deutliches Signal: „Der Bedarf an schnell zugänglicher und niedrigschwelliger Hilfe in psychischen Krisen ist hoch. Dass so viele Menschen Jahr für Jahr den Krisendiensten Bayern das Vertrauen schenken, zeigt, dass sich unser Aufwand und unser Engagement lohnen. Denn eine frühzeitige Unterstützung in psychischen Krisen ist nach wie vor die beste Vorbeugung für schwere Krankheitsverläufe oder eine Zuspitzung der Krise.“

Das Angebot der Krisendienste ist deutschlandweit einmalig. Während es in einzelnen Städten und Regionen Deutschlands Krisendienste gibt, steht ein flächendeckendes Angebot zur Soforthilfe in psychischen Krisen nur in Bayern zur Verfügung. Für die Bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach haben die Krisendienste Bayern deshalb einen Vorbildcharakter: „Psychische Krisen sind existentielle Notfälle. Wer Hilfe braucht, sollte keine Scheu haben, sich diese Hilfe auch zu suchen. Die Krisendienste können von jedem kontaktiert werden – auch von Angehörigen, Bezugspersonen und weiteren Personen aus dem Lebensumfeld von Betroffenen. Fünf Jahre Krisendienste Bayern: Das ist ein Maßstab und Meilenstein mit bundesweiter Strahlkraft. Der Freistaat ist mit diesem Rund-um-die-Uhr-Angebot Vorreiter für psychische Krisenhilfe und für Prävention. Die Krisendienste sind zudem ein gutes Beispiel von Zusammenarbeit zwischen Bezirken und Staatsregierung. Das Gesundheitsministerium hat die Krisendienste in den vergangenen Jahren mit rund 67 Millionen Euro für die Kosten der sieben Leitstellen unterstützt. Allein für 2026 sind weitere 11 Millionen Euro eingeplant.“

Die Kosten für die sieben Leitstellen trägt der Freistaat Bayern. Die Finanzierung der mobilen Einsatzteams und alle sonstigen Kosten, wie zum Beispiel für den Aufbau von Netzwerken, tragen die Bezirke. Dafür wenden die Bezirke jährlich rund 18 Millionen Euro auf.

 

Start der Jubiläumskampagne „Mut in der Krise“

Obwohl Krisen zur Lebensrealität vieler Menschen gehören, stehen Scham und Stigmatisierung einer rechtzeitigen Inanspruchnahme von Hilfsangeboten noch oft im Weg. Anlässlich des fünfjährigen Bestehens startet deshalb die bayernweite Kampagne „Mut in der Krise“, die die Krisendienste Bayern gemeinsam mit dem Verein Mutmachleute e.V. ins Leben gerufen haben. Ziel der Initiative ist es, das Thema psychische Krisen weiter zu enttabuisieren und Menschen zu ermutigen, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen – sei es für sich selbst oder für Angehörige. Durch die persönlichen Geschichten und Erfahrungen von Mutmacherinnen und Mutmachern soll Menschen in ähnlichen Situationen gezeigt werden, dass es sich lohnt, mutig zu sein und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Martin Guth, Sprecher der Leitstellenkonferenz der Krisendienste Bayern, erklärt stellvertretend für alle sieben Leitstellen: „Auch wenn heute viel offener über psychische Erkrankungen gesprochen und berichtet wird, ist die Hemmschwelle für einen Anruf leider oft noch sehr hoch. Wir sind sehr froh und dankbar, dass unsere Mutmacherinnen und Mutmacher ihre Geschichten so offen erzählen. Durch diese Erfahrungsberichte fassen hoffentlich viele Menschen den Mut, sich Hilfe zu holen.“

Für Tina Meffert, Vorstandsvertreterin des gemeinnützigen Vereins Mutmachleute e.V., setzt die Kampagne ein klares Zeichen: „Sich in einer psychischen Krise Hilfe zu holen, erfordert oft enormen Mut. Noch immer halten Scham und Angst viele Menschen davon ab, zum Telefon zu greifen. Genau hier setzt ‚Mut in der Krise‘ an: Wir wollen deutlich machen, dass niemand mit einer Krise allein bleiben muss. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern ein mutiger und wichtiger erster Schritt.“

Extrembergsteiger Alexander Huber unterstützt die Krisendienste Bayern seit vielen Jahren. Er hat selbst eine psychische Krise erlebt und weiß, wie wichtig professionelle Hilfe in einer solchen Situation sein kann. Auch er ist als Mutmacher Teil der aktuellen Kampagne „Mut in der Krise“. Sein Engagement ist für ihn ein Herzensanliegen: „Wenn die Psyche erkrankt, braucht man Unterstützung – genauso selbstverständlich wie bei einer körperlichen Erkrankung. Profis sehen, was einen aus der Spur gebracht hat, und wissen, wie man zurückfindet. Umso mehr freut es mich, dass es heutzutage die Krisendienste gibt. Weil ich weiß: Es wird verdammt vielen Leuten damit geholfen.“

Mehr Infos zur Kampagne „Mut in der Krise“: www.krisendienste.bayern/kampagne-mut-in-der-krise/