Depressionen: Ich will Freude leben und Freude weitergeben!

Betroffene: Susanne

Jahrgang: 1968

Diagnosen: Depressionen (zeitweise schwere Episoden), Somatisierungsstörung

Therapien: sechs Wochen Akutklinik, ein Jahr später noch einmal zehn Wochen Tagesklinik, seit vielen Jahren Verhaltenstherapie, tolle Online Support Group, Achtsamkeitstraining, Meditation, Affirmationen

Ressourcen: Tanzen, Yoga mit Mady Morrison auf YouTube, Joggen, Gartenarbeit, Lesen und völlig Eintauchen in Bücher, Stand-Up-Paddeln und Schwimmen, sehr gerne mich mit guten Freunden offen unterhalten, im Auto mit Schlafdach verreisen, Bergtouren, neugierig auf fast alles

 

Wie und wann hast du von deiner Erkrankung erfahren?

Etwa in 2012, als der Heilpraktiker mich gefragt hat: „Tanzen Sie gerne?“ und mir klar wurde, dass ich  mich selbst vollkommen verloren hatte. Lange Jahre Zusammenleben mit einem schwer malignen Narzissten hatten mich geschwächt und sehr krank gemacht: schwere Hauterkrankungen und weitere Somatisierungsstörungen. Der Heilpraktiker hatte für mich Termine bei einer ihm bekannten Psychiaterin ausgemacht und mich sofort dort hin geschickt.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Ich bin gut so, wie ich bin. Alles, was ich schon gelernt habe, will ich gerne anderen weitergeben.

Ich will Mut machen. Wir Betroffene können gesund werden. Wir können die Dinge wieder positiver sehen. Wir finden wieder Freude.

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld (und der Gesellschaft) in Bezug auf deine Erkrankung wünschen?

Nur ein kleiner, sehr enger Kreis von meinem Umfeld ist umfassend über meine Krankheit informiert.

Ich würde es gerne als eine therapierbare Erkrankung verstanden wissen. Es braucht sehr, sehr viel Geduld und Zuversicht und Ermutigung.

Ich würde mir wünschen, im beruflichen Umfeld über die überwundenen Stadien der Krankheit sprechen zu können. Ich bin überzeugt davon, dass ich im Rahmen der Therapie extrem viel gelernt habe, auch Methoden, was mich beruflich deutlich stärker und wertvoller macht.

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Ich habe extrem lange gebraucht, meine Situation überhaupt als Krankheit zu erkennen. Lebenslange Vorhaltungen von außen „Stell dich nicht so an.“ hatten mich ganz klein gemacht. Die beiden Klinikaufenthalte haben mir geholfen. Das wichtigste für mich ist, ernst genommen zu werden. Die Mit-Patient*innen waren ein gutes Umfeld für Offenheit und um Scham abzubauen.

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

Erst mal Atmen.

Naturholz-Gegenstände in der Hand halten (z.B. in Gesprächssituationen).

Joggen oder Yoga.

Geführte Meditationen oder Affirmationen.

Schreiben. Jeden Abend die schönen Dinge des Tages aufschreiben.

Eine große Pinnwand mit motivierenden Fotos, Sprüchen, Geschichten, Erinnerungen.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Du kannst wieder stärker werden. Hol Dir Hilfe. Erkenne erst einmal Deine Situation an. Dann kannst Du sie auch wieder ändern.

Du bist selbst verantwortlich! Das ist nicht nur eine Last. Das ist vor allem auch eine Freiheit. Du bist selbstwirksam. Du kannst selbst entscheiden. Du brauchst nicht alles von außen annehmen, Du darfst auch ablehnen. Selbstfürsorge betreiben. Schöne und angenehme Dinge tun. Gefühle zulassen und annehmen.

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir (einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Mit Geduld und Zuversicht und Nähe helfen Freund*innen und Angehörige am meisten. Ich war oft erstaunt, wenn Leute unerwartet Verständnis für mich hatten und mir wohlmeinend gegenüber und zugetan waren. Das hat mir jedes Mal sehr gut getan, mich motiviert, mir geholfen.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Ich bin ein neugieriger Mensch und bin sehr offen. Ich freue mich gerne. Und zum Glück bin ich gerade wieder am Lernen, meinen Fokus auf die positiven und schönen Dinge zu lenken. Dann ist es leichter, etwaige Herausforderungen auch zu lösen. Die gehören halt mit dazu.

Ich schätze an mir meine Offenheit, meine große Empathie, mein Strahlen.