Diagnose Ego State Disorder, Mutmacher

Ego State Disorder: Jeden Tag einen Schritt weiter – einfach weiter gehen …

Betroffene: Cosima
Jahrgang: 1977
Diagnose: Ego State Disorder, komplexe posttraumatische Belastungsstörung, rezidivierende Depressionen, dependente Persönlichkeitsstörung; somatoforme Störung, Tinnitus
Therapie: Klinikaufenthalt, ambulante tiefenpsychologische Psychotherapie sowie prä- & perinatale Körperpsychotherapie
Ressourcen: meine kleine Familie, die Natur, mein Blog, musizieren, häkeln

 

Wie und wann hast du von deiner Störung erfahren?

2016. Die Ego State Disorder wurde 2017 vermutet und nun bestätigt.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Vor allem unbekanntere, psychische Erkrankungen erfahren viel Ablehnung und Unverständnis. Speziell die Ego State Disorder ist kaum bekannt. Sie zählt zu den dissoziativen Störungen und bildet ein Bindeglied zwischen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und dem Formenkreis der Dissoziativen Störungen (DIS). Sie ist als Diagnose weder im ICD 10 (1) vorhanden noch im DSM-IV (2). Wir Betroffenen gehen trotzdem damit durchs Leben und haben unsere mannigfaltigen Probleme damit, die kaum ein Außenstehender nachvollziehen kann. Viele wenden sich einfach ab.

Aufklärung bringt Erkenntnis. Das baut Ängste ab – schafft Verständnis und Vertrauen. Wir sind nicht so viel anders als Gesunde, wir tragen nur mehr Marschgepäck!

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld in Bezug auf deine Störung wünschen?

Unterschiedlich. Einige begegnen mir sehr befangen. Andere wenden sich komplett ab. Wieder andere „wischen“ weg, was einfach da ist.
Meine kleine Familie, mein Chef und meine Kollegen, sowie einige Freunde gehen sehr gut damit um. Das hilft mir ungemein! Nehmt mich so, wie ich bin. Danke!

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Eigentlich war es eher wie „Erlösung“. Endlich hatte das, was ich tagtäglich empfand und schon über Jahrzehnte mit mir herumschleppte, einen Namen!

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

Imaginationsübungen, Akupressurringe oder irgend etwas anderes zum Spüren und Fühlen.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Es ist niemals zu spät, sich auf den Weg zu machen! Geht los. Holt Euch Hilfe. Wartet nicht, bis es fast schon zu spät ist. Geht einfach immer weiter. Vertraut darauf, dass ihr euren Weg intuitiv finden werdet …

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir
(einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Informiert Euch gut über die Erkrankung(en) eures Angehörigen, aber begebt euch keinesfalls zu tief in dessen Position. Bleibt euch selbst treu, trotz des Verständnisses, welches ihr dem Betroffenen gegenüber aufbringt. Holt euch selbst Unterstützung, wenn es zu schwierig wird.

Ach ja – auch bei euch ist das so: Es gibt mehr Menschen in eurer Situation, als ihr auf den ersten Blick vermutet. Genau wie wir Betroffenen, seid ihr Angehörigen nicht allein! 😉

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Meine Kreativität und meine Empathie für andere Menschen.
Cosima bloggt auf himbeersplitter.