Borderline und PTBS: Ich habe eine Krankheit. Ich bin sie aber nicht!

Betroffener: Stefan

Jahrgang: 1991

Diagnosen: Borderline, PTBS, Bulimia nervosa

Therapien: DBT, stationäre Traumatherapie

Ressourcen: meine Verlobte, Fußball spielen und schauen, zocken, Musik hören und meine Familie

 

Wie und wann hast du von deiner Erkrankung erfahren?

Im Alter von circa 19 Jahren bei einem stationären Aufenthalt in der Psychiatrie

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Da ich finde, dass es nie schaden kann, im Bereich psychischer Gesundheit Aufklärung zu leisten und weil ich Betroffenen und Angehörigen eine Anlaufstelle bieten möchte.

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld (und der Gesellschaft) in Bezug auf deine Erkrankung wünschen?

Meine Familie war anfangs natürlich genauso überfordert wie ich, als ich davon erfuhr.

Mit der Zeit haben wir uns aber immer mehr Informationen und Unterstützung zu dem Thema Borderline zukommen lassen und im Verbund mit meiner „Heimatklinik“ Möglichkeiten erarbeitet, dass ich als auch mein Umfeld lernen konnte, einigermaßen damit umzugehen.

Von der Gesellschaft erhoffe ich mir, dass sie genauer hinsieht bzw. hinhört, wenn es um die Thematik psychische Gesundheit geht und die Betroffenen in die Mitte der Gesellschaft integriert.

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Persönliche Gespräche mit betroffenen Personen und mit Fachpersonal (Therapeut*innen etc. ) und das Buch „Ich hasse Dich, verlass mich nicht“.

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

Fremdreflexion von wichtigen Bezugspersonen, Skills, Selbstreflexion, ambulant psychiatrische Versorgung.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Auch wenn es total aussichtslos erscheint, sollte man sich nicht davor scheuen, es dennoch zu probieren und sich gegebenenfalls Unterstützung zu kommen zu lassen.

Kommunikation ist das A und O, manchmal kann es hilfreich sein, von „außen“ auf die Situation zu schauen.

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir (einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Wie gesagt, ich halte Kommunikation für essenziell wichtig im Umgang miteinander. Hierbei sollte man versuchen, mit Fairness und Offenheit heranzugehen.

Übrigens muss man „Bordis“ keinesfalls wie ein rohes Ei behandeln.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Ich bin ein offener, geselliger und humorvoller Mensch, meinen Humor mag ich selbst sehr an mir, jedoch neige ich des öfteren zu passiver Aggressivität.

 

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