Torsten

Depression: Aufgeben ist keine Option

Betroffener: Torsten
Jahrgang: 1964
Diagnosen: Rezidivierende Depression, Dysthymie
Therapien: Tiefenpsychologische Gesprächstherapien, Musiktherapie, Antidepressiva
Ressourcen: Natur, Fotografie, Musik, Familie, Schreiben, Lesen, Radfahren, Meditation

 

Wie und wann hast du von deiner Störung erfahren?

Vor gut zwanzig Jahren, im Rahmen meiner ersten Psychotherapie.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Weil gerade Männer gar nicht oder erst nach langer Zeit professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dann haben Profis aus den helfenden Berufen, wie ich (ich arbeite als Dipl. Sozialarbeiter in der Sozialpsychiatrie) ebenfalls ein hohes Risiko u.a. an Depressionen zu erkranken, inklusive einem hohen Suizidrisiko. Da wir an der „Front“ arbeiten, wir Bescheid wissen, suchen wir erst Hilfe, wenn nichts mehr geht, oder wir suchen eben keine Hilfe. Die immer schwerer werdenden Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen auf Grund von steigender Patientenzahl und sinkender Arbeitnehmerzahl kostet Lebensqualität. Darauf möchte ich aufmerksam machen. Und zuletzt ist es mir wichtig zu zeigen, dass es möglich ist, mit einer Depression zu leben, man nicht nur und auch nicht immer depressiv ist. Depressive Menschen sind sehr humorvoll, ich habe selten so viel gelacht, wie in einer Gruppe mit depressiven Mitpatient/Innen oder Kolleg/Innen. Jeder sollte außerdem wissen, dass es gute Hilfsangebote für Betroffene gibt.

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld in Bezug auf deine Störung wünschen?

Meine Familie war damals nicht so überrascht von meiner Diagnose, da ich aus einer psychisch recht belasteten Familie stamme. Mein heutiges Umfeld kommt aus den psychosozialen und heilenden Tätigkeitsfeldern mit hoher Empathie und mit viel Mitgefühl. Sie haben verständnisvoll reagiert. Das wünsche ich jedem, Empathie, Mitgefühl und Geduld.

 

Welche Dinge haben Dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Unterstützende Kolleg/Innen und Freunde, meine Familie, meine Hausärztin und mein Psychiater.

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

In der Natur sein, unser Balkon im grünen Hinterhof, Schreiben, Meditation, meinen wirklich guten Psychiater, Musiktherapie.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Sucht euch professionelle Hilfe. Habt keine Angst vor Psychiatern, es ist kein Versagen sich dort einen Termin zu holen, auch nicht als Profi. Antidepressive sind kein Teufelszeug. Sie können helfen sich wieder lebendiger zu fühlen und mehr Energie für z.B. eine Therapiesuche zu haben.

Zu glauben, es gäbe keine Hoffnung, kein Licht, keine Gefühle mehr, ist Teil des depressiven Erlebens, nicht die Wahrheit.

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir (einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Angehörige können durch Geduld und Empathie helfen. Sich ausschließlich zu schonen ist nicht gut für Betroffene, weil jede kleine Tätigkeit im Alltag etwas aktivieren kann. Ermunterung zu Bewegung und auch Außenkontakte können helfen. Und selber auf sein Wohlbefinden und seine Ressourcen, auch als Angehöriger, zu achten, ist wichtig. Vielleicht auch der Besuch einer Angehörigengruppe.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Hm, ich bin introvertiert, hochsensibel, vielbegabt, neugierig, emphatisch, Realist mit Zu-kunftshoffnung. Neugierde und immer wieder weiterzugehen, zu gestalten und zu inspirieren, trotz Widrigkeiten, das ist schon gut. Die Fähigkeit zum Zuhören und Inspirieren schätze ich am meisten an mir.

 

Torsten bloggt auf: Elk & Ravenhouse