Nik, Mutmachleute

Schizophrenie, Dissoziative Identitätsstörung & Depressionen: Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Fernando Pessoa)

Betroffener: Nik
Jahrgang: 1993
Diagnose: Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung (DIS), Depressionen, PTBS
Therapie: mehrere stationäre Aufenthalte in der Psychiatrie und in psychosomatischen Kliniken, zwei Verhaltenstherapien, eine Psychoanalyse, eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie; medikamentöse Therapie
Ressourcen: Freunde

 

Wie und wann hast du von deiner Störung erfahren?

Ich bin mit 13 das erste Mal an einer psychotischen Störung erkrankt. Wegen Suizidalität kam ich dann in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mir ging es aber schon viele Jahre zuvor schlecht und ich verletzte mich selbst.

Im Laufe der Jahre machte ich mehrere psychotische Episoden und Depressionen durch. Dazu kam dann noch die Diagnose der PTBS und eine dissoziative Identitätsstörung aufgrund von jahrelangem sexuellen Missbrauch in der Kindheit.

Nach mehreren psychotischen Episoden wurde schließlich eine Schizophrenie diagnostiziert.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Um mit den Stigmata aufzuräumen.

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld in Bezug auf deine Störung wünschen?

Ich gehe wenig offen mit meinen Erkrankungen im Umfeld um. Ein paar Freunde wissen von meiner Schizophrenie und den Depressionen.

Ich würde mir wünschen, dass die Erkrankungen als ein Aspekt meiner Persönlichkeit akzeptiert werden könnten, ohne Stigmatisierung und ohne mich nur als krank zu sehen. Ich bin ein Mensch und mehr als die Summe meiner Diagnosen.

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Meine letzte tiefenpsychologische Therapie half mir, mir selbst freundlicher zu begegnen und Erkrankungen als einen kranken Aspekt neben vielen gesunden Aspekten zu akzeptieren.

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

Ich treffe mich beispielsweise mit meiner Mutter oder Freunden, habe immer Skills bereitliegen. Außerdem nehme ich regelmäßig meine Medikamente und habe für Krisen auch noch mal ein Bedarfsmedikament. Im Notfall gehe ich stationär in die Psychiatrie.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Gib niemals auf, die Krankheit ist nur ein Teil von vielen Teilen, die dich ausmachen. Du bestehst aus so viel mehr.

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir
(einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Mit Forderung, ohne zu unter- oder überfordern. Mit Verständnis und Liebe.
Sich selbst helfen, in dem sie sich abgrenzen, wenn es zu heftig ist.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Meine Sensibilität und mein Gerechtigkeitssinn.