Borderline, Angst- und Panikstörung, Depressionen, Bulimie, Bild von Ulrike

Borderline, Angststörung, Depressionen & Bulimie: Wer die Liebe zum Licht fühlen will, muss den Schatten in sich spüren.

Betroffene: Intuition1981 (Ulrike S.)
Jahrgang: 1981
Diagnose: Borderline, Angst- und Panikstörung, Depressionen, Bulimie
Therapien: Tiefenpsychologische Therapie, Verhaltenstherapie, Heilpraktik, Ergotherapie
Ressourcen: Sport, Schreiben, ehrenamtliche Arbeit (offener Treff für Depressionen und Angst), Freunde, mein Sohn, Lesen

 

Wie und wann hast du von deiner Störung erfahren?

In meiner Jugend hatte ich einen Aufenthalt in der psychosomatischen Kinderklinik, damals aber ohne Diagnose. Meine Diagnosen standen erst im Alter von 33 Jahren fest, nach wiederholten Konflikten am Arbeitsplatz und häufigen Arbeitgeberwechseln.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Ich wurde oft auf meine psychischen Erkrankungen reduziert, deswegen finde ich Aufklärung so wichtig.

Ich habe ein Problem, aber ich bin nicht das Problem!

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld in Bezug auf deine Störung wünschen?

Meine prägenden Bezugspersonen (aus der Kindheit) haben sich vor Jahren suizidiert. Sie erfuhren also von meinen Erkrankungen, aber auch von meinen Fortschritten nichts mehr. Meine Oma war leider schon zu dement, als ich die Diagnosen erfuhr, sie aber hätte meine Erkrankung akzeptiert und wäre ganz normal mit mir umgegangen. Mein Sohn akzeptiert es und redet nun offen darüber, was ihn belastet hat und er sieht meine Fortschritte. Er ist selbst betroffen von einer Angst- und Panikstörung und nun erneut in Behandlung. Freunde haben den Kontakt abgebrochen bzw. hatte ich keine Kraft mehr, um Beziehungen stabil und aufrechtzuerhalten. Und es gab gegenseitige Verletzungen, die es schwierig machten, sich wieder auf eine Beziehung einzulassen.

Ausnahmen gab es und ein offener Umgang zeigt sich als sehr förderlich für die Beziehungsgestaltung.

Ich hätte mir gewünscht, dass normal mit mir umgegangen wäre, zumal ich die Erkrankung/Symptome seit der Jugend habe und nicht erst seit der Diagnostik. Insbesondere durch therapeutische Hilfen habe ich Fortschritte gemacht und meine Symptome besser in den Griff bekommen. Da hätte ich mir Anerkennung und Unterstützung gewünscht.

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

  • Schreiben
  • mich mit anderen Betroffene über meinen Blog oder online Foren austauschen
  • in der Selbsthilfegruppe Menschen kennenzulernen, die verstehen und akzeptieren können
  • Sport und Entspannung (z.B. Sauna, Meditation, Fantasiereisen)
  • meine Therapeutin
  • die Tagesklinik

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

  • Schreiben
  • Freunde anrufen
  • Krisengespräch bei mein Psychiater
  • Akzeptanz und Hoffnung
  • Solarium

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Deine Freunde brauchen deine Erklärungen nicht, deine Feinde glauben sie nicht – die Dummen verstehen sie nicht!
Erfahrungen prägen die Persönlichkeit des Menschen. Ein besseres Verstehen und Erlernen neuer Möglichkeiten und sich selbst besser verstehen, bedeutet vorwärtszukommen und Schmerzhaftes hinter sich zu lassen.

Verliere durch falsche Menschen nicht das Vertrauen in die richtigen, sondern sei achtsam und gehe deinen Weg mit Vorsicht.

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir
(einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Es ist hilfreich, nichts persönlich zu nehmen, sondern Abstand zu suchen und dann nachzufragen, was los war und auch als Angehöriger mal offen auszusprechen, was als belastend empfunden wird und was es so schwierig macht – sowohl für den Angehörigen als auch den Betroffenen da oft mit „Kanonen“ auf „Spatzen“ geschossen wird.

Meine Sicht nach der Therapie:
Emotionale Erinnerungen (Trigger und Schlüsselreize) stellen eine Überbelastung dar und können zu einer Retraumatisierung führen – und damit eine psychische Starre oder Impulsausbrüche auslösen. Die Täter aus meiner Vergangenheit formten eine Realität, in der alles richtig schien – aus ihrer Sicht. Als Überlebende hatte ich nie eine eigene, richtige Realität und deswegen auch keine persönliche Identität. Was nicht in Worte vom Verstand gefasst werden kann, kann emotional nicht erkannt und verarbeitet werden. Als Überlebende kannte ich nichts als den drückenden Schmerz. Die Aufarbeitung der Erlebnisse muss hart erarbeitet werden! Belastende Beziehungen müssen beendet werden. Wir Überlebenden haben das Recht zu entscheiden, was reparabel ist und was nicht mehr zu reparieren geht.

Wir wollen leben und können mit Zeit und Geduld lernen, wie dies schmerzfrei gelingen kann.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Ich habe viel Ausdauer, bin sehr kreativ und ganz allgemein Überlebenskünstlerin.
 
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