Meine Erkrankung definiert mich nicht – ich entscheide über mein Leben.
Name: Claudia Schulz, EX-In Genesungsbegleiterin, IWS-Trainer, Recovery Gruppen
Erkrankungsbild: Komplexe PTBS, Depressionen
Jahrgang: 1967Ich arbeite mit Menschen in akuten Krisensituationen im Rahmen von Home Treatment. Außerdem begleite ich Menschen, die sich im Kontext von IWS-Gruppen* mit der Frage der Offenlegung ihrer psychischen Erkrankung beschäftigen und ihren eigenen Weg im Umgang damit finden möchten.
Hilfsangebote: Einzelgespräche, Gruppenangebote, Vorträge
Auf welchem Gebiet bist du Expert*in und wieso gerade zu diesem Thema?
Meine Expertise liegt im Bereich Zuhören, Nachfragen und im ressourcenorientierten Arbeiten mit Menschen in psychischen Krisen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Recovery möglich ist und dass jeder Mensch ein sinnerfülltes und glückliches Leben führen kann. Ich bin einzig Expertin für meine eigene Erkrankung – und genauso ist jeder Mensch Expertin für sein eigenes Erleben.
Ich bin überzeugt, dass in jedem Menschen eine innere Weisheit steckt und dass jeder über Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, um wieder zu gesunden.
Meine besondere Stärke sehe ich darin, gemeinsam mit Klient*innen ihre Ressourcen und Stärken wieder sichtbar zu machen und sie auf ihrem eigenen Weg zu begleiten.
Welche Vorurteile bzw. falschen Vorstellungen gibt es in der Gesellschaft zum jeweiligen Erkrankungsbild?
Viele Vorurteile halten sich hartnäckig: Betroffene werden oft auf ihre Symptome reduziert und als unzuverlässig oder nicht belastbar abgestempelt. Manche glauben noch immer, psychische Erkrankungen seien eine Frage von Willenskraft – und Hilfe zu suchen gelte als Schwäche, obwohl es Stärke und Verantwortungsbewusstsein zeigt.
Wie hilfst du betroffenen Menschen ganz persönlich und welche hilfreichen Therapiemöglichkeiten gibt es deiner Meinung nach?
Ganz persönlich helfe ich, indem ich da bin. Oft geht es zunächst darum, schwierige Situationen gemeinsam auszuhalten und das Gefühl zu vermitteln: Du bist nicht allein. Ich höre zu, stelle die richtigen Fragen und halte den Raum – ohne zu bewerten oder vorschnelle Lösungen anzubieten.
Ich bin überzeugt, dass die Lösung bereits im Menschen selbst liegt. Meine Aufgabe ist es nicht, Lösungen vorzugeben, sondern dabei zu unterstützen, die eigenen Antworten und Ressourcen wiederzufinden.
An Therapiemöglichkeiten gibt es unter anderem Psychotherapie, medikamentöse Behandlung, ambulante oder stationäre Angebote sowie Home Treatment. Welche Form passend ist, hängt immer von der individuellen Situation ab.
Inwieweit ist deiner Meinung nach eine Heilung, ein gutes Leben mit der Krankheit möglich?
Meiner Meinung nach sind Heilung und ein gutes Leben trotz einer psychischen Erkrankung möglich. Die Erkrankung kann ein Teil des Lebens sein, aber sie muss es nicht bestimmen. Mit Unterstützung, Selbstfürsorge und Vertrauen in die eigenen Ressourcen bleiben Lebensfreude, Sinn und Erfüllung erreichbar.
Welche besonderen Fähigkeiten haben Betroffene?
Menschen mit psychischen Erkrankungen verfügen oft über besondere Stärken. Wer schwere Krisen durchlebt und bewältigt hat, entwickelt Mut, innere Kraft und Durchhaltevermögen.
Viele bringen eine tiefe Empathie, Sensibilität und Kreativität mit. Nicht selten entsteht daraus auch ein feiner, tragender Humor – gerade weil sie wissen, wie herausfordernd das Leben sein kann. Mit ihnen lassen sich intensive, ehrliche Gespräche führen – und ebenso herzliche, befreiende Momente des Lachens teilen.
Aus der Erfahrung, schwierige Zeiten überstanden zu haben, wächst oft ein starkes Vertrauen in die eigene Widerstandskraft. Das Wissen, trotz allem weitergegangen zu sein, kann ein enormes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten entstehen lassen – und einen beeindruckenden Kämpfergeist.
Wer sich aus Krisen zurück ins Leben gekämpft hat, hat eine besondere Form von Stärke entwickelt – eine, die nicht selbstverständlich ist.
Mehr über IWS – In Würde zu sich stehen:
Claudia hat gemeinsam mit Prof. Dr. Nicolas Rüsch von der Uni Ulm einen Artikel über das IWS Programm geschrieben. Zum dem Artikel geht es hier entlang.
*Weitere Infos zum IWS Programm findet Ihr hier.
IWS findet Ihr außerdem auch auf Instagram: @iws_programm


