Nora Fieling

Nachgefragt bei Nora: Depressionen. “Als ich begann, mich, meine Gedanken und meine Gefühle anzunehmen, zu respektieren und ihnen zuhörte, da begann ich, in mir zu genesen.”

Betroffene: Nora
Nachgefragt: Als ich begann, mich, meine Gedanken und meine Gefühle anzunehmen, zu respektieren und ihnen zuhörte, da begann ich, in mir zu genesen.

 

Wie geht es dir heute?

Lange Zeit konnte ich auf die Frage, wie es mir geht, gar nicht richtig antworten – ich wusste es einfach nicht, hatte keine Verbindung zu mir und meinen Gefühlen. Heute kann ich sagen, dass ich mich selbst wieder mehr spüre – vor allem auch die angenehmen Gefühle.
Das bedeutet keineswegs, dass ich jeden Morgen lachend aus dem Bett hüpfe. Natürlich gibt es auch grummelige Tage, schwierige Situationen und manchmal eben auch Gefühle, die mich straucheln lassen – doch all das ist nichts Pathologisches, es wirft mich nicht, wie früher, total aus der Bahn und in eine Krise.
Ich habe meine inneren Ressourcen kennengelernt und gestärkt, kann eher Hilfe annehmen und mehr auf meine Gefühle hören.
Und so geht es mir im Großen und Ganzen gut – ich bin in mir und meinem Leben angekommen, fühle mich genesen und lebendig.

 

Hast du Feedback auf deinen Beitrag bei #Mutmachleute bekommen? Worüber hast du dich am meisten gefreut?

Allgemein habe ich viel positives Feedback erhalten und das motiviert und stärkt mich ungemein. Wenn ich erfahre, dass andere sich in meinen Erfahrungen wiederfinden, sich weniger alleine fühlen und sich trauen, Hilfe anzunehmen – dann merke ich, wie sinnvoll mein (Online-)Engagement ist.

 

Was hat sich für dich zum Positiven geändert, seit du offener mit deiner Erkrankung umgehst?

Es hat mich in meinem Selbstvertrauen gestärkt. In dem ich offener über mich sprach, mit anderen in einen Austausch ging, positives Feedback bekam und andere Menschen mit meinen Erfahrungen unterstützen konnte. Dadurch lernte ich Stück für Stück, mich mehr wertzuschätzen. Ich durfte erfahren, dass mich andere mögen – auch in einer depressiven Krise. Meine Symptome und meine Erkrankung begann ich zu akzeptieren und darüber hinaus mich selbst so anzunehmen, wie ich nun mal bin.

Und so fasste ich im Oktober 2018 den Entschluss, auch online noch mehr zu mir zu stehen. Bis dato hatte ich mich auf Fotos nicht gezeigt und war in meiner Offenheit doch recht anonym. Mittlerweile zeige ich im wahrsten Sinne des Wortes auch Gesicht.
Ebenso freue ich mich über den mutigen Schritt, meine persönlichen Erfahrungen in dem Buch niedergeschrieben zu haben, welches unter dem Titel „Depression – und jetzt? Wegweiser einer Erfahrungsexpertin“ im Herbst 2020 erscheint.

 

Was wünschst du dir für deine persönliche Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich mich weiterhin im Auge behalte, im Frieden mit mir selbst lebe – auch wenn es natürlich mal einen (inneren) Konflikt geben wird. Ferner möchte ich mit meinem Partner, unseren Frettchen und Freund*innen glücklich sein. Und ich wünsche mir, dass ich weiterhin mit so unterschiedlichen Menschen zusammen arbeiten, Projekte umsetzen und ein Stück mutmachende Wegbegleiterin sein darf.

Den ersten Beitrag von Nora bei den Mutmachleuten findet Ihr hier. Außerdem hat ihr Partner einen wunderbaren Angehörigenbeitrag bei uns geschrieben.

Nora hat einen eigenen Blog und ist auf folgenden sozialen Kanälen zu finden:
www.nora-fieling.de
https://twitter.com/NoraFieling
https://www.facebook.com/norafieling/
https://www.instagram.com/nora_fieling/