Bipolare Störung: Ich hab schon so viel geschafft und war und bin so mutig!
Betroffene: Ines Beckmann
Jahrgang: 1973
Diagnose: Bipolar II Störung
Therapien: Verhaltenstherapie , Tagesklinik
Ressourcen: Mein Mann, meine Kinder, meine Kreativität, Singen & Tanzen, Natur
Wie und wann hast du von deiner Erkrankung erfahren?
Das erste Mal, als ich in eine depressive Phase kam, dass war im April 2013, damals hat mir Life900 (hoch konzentriertes Johanniskraut) & eine Verhaltenstherapie relativ schnell geholfen, dass es mir wieder besser ging.
Dann musste ich im Herbst 2021 wegen einer Entzündung im Oberarm für drei Wochen Cortison einnehmen, was bei mir eine manische Phase auslöste & für mich eine sehr extreme Erfahrung war. Diese Phase dauert ca. 3-4 Wochen & ging dann in eine schwere depressive Phase über, die es mir dann auch nicht mehr möglich machte, meinen Beruf als Tagesmutter auszuüben. Ende Februar 2022 war ich dann das erste Mal in der PIA & wurde dort medikamentös eingestellt, wobei das erste Medikament bei mir ganz schlimme Angstzustände auslöste & wir schnell zu einem anderen Medikament wechselten.
Es wechselten sich dann hypomane & depressive Phasen ab, wobei in den letzten Jahren die depressiven Phasen immer länger wurden. (1 Jahr & 2 Monate waren die längste Zeit in depressiver Phase, wo hingegen die hypomane Phase ca. ein halbes Jahr anhielt.
Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?
Ich habe gemerkt, wie wenig man noch weiß über die Depression & eine bipolare Erkrankung. Und ich möchte gerne Mut machen & zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen, sich zu trauen, sich zu zeigen, auch für das Gefühl, nicht allein zu sein. Und ich selbst habe gemerkt, wie viel sicherer ich mich fühle, wenn ich mehr über meine Erkrankung weiß.
Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld (und der Gesellschaft) in Bezug auf deine Erkrankung wünschen?
Meine engsten & liebsten Freunde & mein Mann haben besorgt, fürsorglich & verständnisvoll reagiert. In der Arbeit war es nicht so leicht für meine Kollegin, da sie erstmal alles allein zu tragen hatte, da fiel ihr das Verständnis für meine Lebenssituation nicht so leicht.
Ich würde mir von meinem Umfeld wünschen, dass sie mich fragen, was ich brauche, damit es mir weiterhin gut geht, dass sie achtsam sind & mich nicht beladen mit ihren vielen Themen.
Und in der Zeit, wo es mir schlecht ging & ich im Rückzug war, da hätte ich mir sehr & mehr gewünscht, eine Nachricht zu bekommen, in der steht : „Ich denke an dich“, das kam leider von zu wenigen & das hat mich traurig gemacht & ich habe mich allein gefühlt.
Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?
Mich selbst erstmal mit dem Wort Depression auseinanderzusetzen, mir half tatsächlich der Podcast von Kurt Krömer & ein Buch & Gedichte & Gedanken von Clare Louise, die auch persönlich betroffen ist.
Viel Wissen darüber & ein offener Umgang damit: Sagen, dass ich eine Depression habe.
Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?
Das ist schwierig, bei mir kommt dann relativ schnell der totale Rückzug, mit: gar nicht mehr rausgehen & so. Hab es noch nicht geschafft, einen Krisenplan zu erstellen & umzusetzen.
Ich halte es sozusagen aus & hoffe, auf die Zeit die kommt, wo es mir wieder besser geht & ich aufstehen kann.
Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?
Wenn du dich mit anderen zusammentust, dann bekommst du ein Gefühl von: „ich bin nicht allein damit, vielen anderen Menschen geht es ähnlich wie mir“. Es lohnt sich, mutig zu sein & sich zu öffnen.
Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir (einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?
Seid geduldig mit dieser Erkrankung, seid einfach da für den Menschen, der euch braucht. Sprecht mit ihm/ihr & fragt ohne Erwartungen, was ihr tun könnt & was diese Person braucht, um in dieser schweren Zeit zu überleben.
Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?
Das ist meine Feinfühligkeit, mein Blick auf die kleinen Dinge, meine Dankbarkeit dem Leben gegenüber & mein großer Gerechtigkeitssinn.
Ines ist bei Instagram: Colors_of_Live25 und #Jaldafilz


