Mutmachleute Martin Lorenz

Depressionen: In diesem Leben ist jeder mutig, der nicht aufgibt.

Betroffener: Martin Lorenz
Jahrgang: 1985
Diagnose: Depressionen
Therapie: Psychotherapie, Medikamente, diverse Naturheilverfahren
Ressourcen: Lesen

 

Wie und wann hast du von deiner Störung erfahren?

Jahre später erst, als ich schon depressiv war. Zunächst dachte ich immer, es wäre normal, dass ich mich schlecht fühle und keine Energie habe. Ich war dann wegen einer ganz anderen Sache beim Hausarzt und dieser hat nach einem kurzen Gespräch schließlich den Verdacht geäußert. Auf einmal ergab alles einen Sinn. Im Nachhinein wundere ich mich sehr, dass ich nicht von alleine darauf gekommen bin.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Ganz klar: ich möchte anderen helfen und auch mein Wissen weitergeben. Für mein Empfinden gibt es viel zu wenig Wissen über naturheilkundliche Ansätze wie Ernährung, Sport, Lichttherapie, Meditation u.ä. Ich wünschte, ich wäre früher zu diesen Themen gekommen, denn letztlich waren sie es, die mir wieder zurück ins Leben geholfen haben.

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld in Bezug auf deine Störung wünschen?

Viele reagierten verständnisvoll, wussten aber nicht recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen und haben sich von mir distanziert.

Deswegen wünsche ich mir allgemein mehr Akzeptanz und Wissen zum Thema Depressionen und psychische Erkrankungen.

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Ein tiefergehendes Wissen über die Depression und auch das Wissen, dass ich nicht alleine damit bin.

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

Ich lese sehr viel. Wenn es mir nicht gut geht, hilft es mir zur Ablenkung einfach eine Zeitung oder einen Roman zu lesen. Vor allem aber hilft es mir, Bücher über Depressionen und generell zu gesundheitlichen Themen zu lesen. Damit lerne ich meine eigenen Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu verbessern und habe auch das Gefühl, dass ich genau das Richtige tue.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Die Natur hat es nicht vorgesehen, dass Menschen depressiv sind.

Daher glaube ich fest daran, dass prinzipiell jeder Mensch seine Depression auch wieder loswerden kann – und zwar indem man seinem Körper und Geist genau das gibt, was sie benötigen. Was genau das ist, ist natürlich nicht immer einfach herauszufinden. Aber es lohnt sich, dem nachzugehen.

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir (einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Der Rückhalt von Angehörigen ist ein wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses. Daher ist es wichtig, dass man für Betroffene im Umfeld da ist. Man braucht dabei nicht zu denken, dass man irgendwas Bestimmtes tun oder sagen muss. Einfach da sein reicht oft schon.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Das lasse ich lieber andere beurteilen.

 

Martin bloggt auf Naturally Healthy Mind.