Mutmachleute Gaby Beley

Schizoaffektive Störung und Psychose-Erfahrungen: Es geht immer wieder weiter!

Betroffene: Gaby B.
Jahrgang: 1970
Diagnose: Schizoaffektive Störung und Psychose-Erfahrungen
Therapie: Medikamentöse Therapie, Gesprächs- und Kreativtherapie
Ressourcen: Ausbildung zu EX-In Genesungsbegleiterin, Zeichnen, Backen, Hunde

 

Wie und wann hast du von deiner Störung erfahren?

1996 wurde mir verkündet, das ich eine Psychose habe. Damals wusste ich für lange Zeit nicht, was bei mir nicht stimmt: es war eine andere Zeit und ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, weil ich dachte, ich sei schuld daran.

 

Warum hast du dich entschieden, nun Gesicht zu zeigen?

Die ersten Jahre, habe ich viele schlimme Erfahrungen in stationären Aufenthalten gemacht, auch in meinem sozialen Leben. Ich möchte gerne, dass Menschen, die psychischen Probleme haben, mit mehr Menschlichkeit und Akzeptanz behandelt werden. Und ich möchte ihnen Mut machen! Auch bei meiner Erkrankung, der schizoaffektiven Störung, geht es immer weiter trotz eines chronischen Krankheitsverlaufs. Ich werde zu 99,9% meine Ausbildung zur EX- Genesungsbegleiterin im Juni fertig machen! Und auch ich habe eine Stimme!

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es von deiner Krankheit erfahren hat, und welchen Umgang würdest du dir von deinem Umfeld in Bezug auf deine Störung wünschen?

Leider mit Rückzug, Vorwürfen und Unverständnis. Ich wünsche mir eine offenere und tolerantere Gesellschaft, ein Miteinander und nicht Gegeneinander. Ich wünsche mir außerdem, dass enge Freunde und Familie sich mehr mit der Thematik auseinandersetzen und offen drüber reden – und nicht immer alles unter den Tisch kehren. Ich wünsche mit Verständnis fürs „Anderssein“. Akzeptiert, dass auch nicht nachvollziehbare Dinge eine Daseinsberechtigung haben.

 

Welche Dinge haben dir am meisten geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?

Der Glaube an mich selbst, meine handwerklichen und kreativen Fähigkeiten, sinnvolle Arbeit. Dennoch gibt es Phasen, wo ich immer noch verzweifelt bin und mich fertig mache, grade in Krisenmomenten.

 

Welche Ressourcen nutzt du in Krisensituationen?

Meine Kreativität: Ich male viel, gärtnere im Park, beschäftige mich, schreibe, tauche ab in die Klinik, um Ruhe im Kopf zu bekommen, wenn es nötig ist.

 

Was möchtest du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Gebt die Hoffnung nicht auf. Man kann auch viel Positives aus seiner Erkrankung ziehen. Und wir können mit erhobenem Haupte durch die Welt schreiten. Seid kreativ, aber auch kritisch … steht für euch ein und traut euch mehr zu!

 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? Wie können sie dir
(einerseits) und sich selbst (andererseits) am besten helfen?

Bitte informiert Euch gut über die Erkrankung eurer/s Angehörigen, steht ihr/ihm bei, übt keinen Druck aus und geht in die Kliniken, wenn es zur Krise kommt. Sucht trialogische Gespräche, sucht nach gemeinsamen Lösungen. Nehmt uns ernst. Sucht aber auch nicht die Schuld bei Euch, und geht in Angehörigentreffen.

 

Was macht deinen Charakter aus und welche Eigenschaft schätzt du an dir am meisten?

Gemeinschaftliches, soziales Denken. Ich bin sehr tiefgründig und ruhig, und: eine Kämpferin mit Herz!
Mehr über Gaby könnt ihr auch Online erfahren:
“Diese Seite zeigt den Anfang meines Recovery Weg gut auf, wenn man sie richtig liest. Ich habe mir aus der Not heraus, meine frühere Arbeit wieder angeeignet und Schritt für Schritt über mehrere Jahre, entstand diese Homepage.